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Einladung

/ 08.12.16, ab 11 Uhr /
20 Jahre Buchhandlung

Auszeichnung


Buchhandlung

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Buchhandlung Herschel

Liebe Kunden!

Wir freuen uns über den Deutschen Buchhandlungspreis 2016, den wir am 05. Oktober in Heidelberg, von der Kulturstaatsministerin Frau Professorin Monika Grütters erhielten. Ein großes Dankeschön an Sie, treue Leser und Kunden, Autoren und unseren Mitarbeitern. Bleiben wir "Komplizen der Leserleidenschaft".

Ihre Buchhandlung Herschel




Am Donnerstag, den 8. Dezember feiert die Buchhandlung Herschel ihr 20jähriges Bestehen und die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2016. Wir freuen uns, Sie ab 11.00 Uhr (den ganzen Tag), zu unserem Sektempfang zu begrüßen.

Ihre Solway Herschel

Zwei Dekaden Buchladen.

Solway, ihr Mann Steffen und ich saßen im Sommer vorm Spätkauf in der Choriner Straße, als sie mich um einen Text bat. Um einen Text, den Sie auf ihrer Webseite veröffentlichen könnte – pünktlich zum 8. Dezember 2016: 20 Jahre Buchhandlung Herschel. Einen kurzen Abriss, eine kleine Chronik, gar nicht lang, sagte sie in ihrer Zurückhaltung. Bloß keine Umstände. Ich fragte mich: Wie soll das gehen? Gar nicht lang. Bis dahin ist ja noch Zeit, beruhigten wir einander. Damals im Sommer. Im Oktober saßen wir erneut zusammen und Solway erzählte mir ihre Geschichte, die Geschichte ihres Ladens. Der Text im Kopf wurde immer länger. Heute ist der 26. November. Höchste Zeit für einen Versuch.

Wo Geschichten erzählt werden, kommen Menschen zusammen. Das ist Natur – und seit zwanzig Jahren Solways Triebfeder, morgens die Tür ihres Buchladens aufzuschließen. Brücken bauen zwischen Menschen und Geschichten. Menschen zusammenbringen. Jene, die Bücher schreiben, mit jenen, die sich in ihren Geschichten verfangen.

Schon zuvor – im Club der Kulturschaffenden „Johannes R. Becher“, später in der Möwe – waren Austausch und Dialog Solways Beruf und Berufung. Begegnungen schaffen zwischen Künstlern und Publikum. Bis Mitte der 1990er Jahre die Abrissbirne des verordneten Vergessens mit Schwung durch die Überreste der DDR-Kultur fuhr und Solway entschied, dass es kein Lebensmodell sein konnte, sich angstgeplagt von einer Auflösung zur nächsten Abwicklung zu hangeln.

Ein eigenes Theater, ein Kino, eine Galerie – an Ideen mangelte es nicht so sehr wie an den notwendigen Mitteln, als Solway sich an eine Zeit noch vor ihrem Studium erinnerte. Zwei Jahre hatte sie im Buchladen des Clubs der Kulturschaffenden gearbeitet. Ein eigener Buchladen? Kann ich das? Ein Anruf bei der einstigen Chefin – „der strengen Frau Voß“ – machte Mut: „Sie ham Jeschmack und Durchsetzungsvermögen. Machen se ma.“

8. Dezember 1996: Erstbezug einer Ladeneinheit in der Weiberwirtschaft. Damals noch auf dem Hof. Solway machte nun. Wer in einen Buchladen wie Herschels geht, schätzt die romantische Idee dahinter. Das Anheimelnde, das Krämertum, die Leidenschaft. Wer einen Buchladen eröffnet, merkt hingegen schnell, wie flüchtig doch Romantik ist. Was aber bleibt, ist die Freiheit. Die Freiheit, selbst zu entscheiden, was bei den Neuerscheinungen liegt. Die Freiheit, Gutes zu entdecken, das der Kritik entgeht. Sich mit Rückgrat Moden zu verweigern. Dürrenmatt im Regal zu haben, obwohl auch auf dem Buchmarkt längst ein Hype nach dem anderen kurzatmig Konjunktur feiert. Entgegen allen Trends die Halbwertszeit des Guten zu verlängern.

8. Dezember 2016: Der Kiez ist längst nicht mehr der gleiche. Noch immer aber steht Herschels Buchhandlung für Begegnungen. Fast 20 „Märchenstunden“ und mittlerweile stolze 103 Lesungen im Obergeschoss – von Clemens Meyer bis Juli Zeh. Kleine Namen, die noch groß werden sollten. Längst große Namen, die in der vielen Autoren gemeinsamen Scheu den persönlichen Rahmen schätzen. Und immer wiederkehren.

Nach allem, was Solway mir sagte, muss so in etwa der Text aussehen, den sie vor Augen hatte. Abgesehen davon, dass er natürlich viel zu lang ist. Nun denke ich, schön und gut. Vielleicht aber auch nur so ein bisschen gut, so „nutzwertig“, handfeste Infos. Aber hier fehlt doch so viel. Wo steckt das Kostbare, das einen Laden wie Solways ausmacht, in diesen Zeilen? Vielleicht erzählt sich die Geschichte von der Bedeutung eines solchen Ladens doch besser vom anderen Ende her? Vom anderen Ende des Tresens.

Ich kenne Solway dank meiner Eltern. Als die noch in Berlin lebten, waren sie bereits Kunden bei ihr. Seit fast 20 Jahren kehre nun auch ich – als Kunde - immer wieder zurück. Und mittlerweile ist es oft mein dreijähriger Sohn, der mich zielstrebig die Fehrbelliner Straße hinunterlotst – „zu Solway mit der blauen Tür“. Wir haben einen Deal, mein Sohn und ich. Bücher gehen immer, da wird nicht gespart. Bücher sind mehr als Lebensmittel. Sie verderben nicht. Mein Sohn betritt heute Solways Laden, zieht – als käme er nach Hause – Jacke, Schal und Mütze aus und verliert sich in der Kinderbuchecke. Fantasie, Feuer frei. Drei Generationen meiner Familie sind hier bislang aus- und eingegangen. Und so romantisch – sagen wir doch einfach nostalgisch – es klingen mag, so sehr ist es eben besonders, eben doch eine ungeheure Leistung: Dieser Laden ist seit 20 Jahren einer der wenigen Orte im Kiez, die bleiben. Für alle, die da waren. Für alle, die noch da sind. Für alle, die noch kommen.

Unzählig die wertvollen Tipps, die klugen Ratschläge, die treffsicheren Antworten auf Fragen nach dem passenden Geschenk und – Haffner, Heyden, Peltzer... – die kostbaren Entdeckungen allein der vergangenen Jahre. Alle wären sie ohne diesen Laden – ohne Solway, ohne Herrn Bachmann – spurlos vorbeigezogen. Wie so vieles.

Zeit, Danke zu sagen. Danke, Solway. Für 20 Jahre gute Bücher. Für 20 Jahre Fingerspitzengefühl. Für 20 Jahre Biss und Durchhaltevermögen. Herzlichen Glückwunsch auch, zum „Deutschen Buchhandlungspreis 2016“ – so was von verdient. Danke für 20 Jahre Buchhandlung Herschel.

Auf die nächsten Jahrzehnte. Durchhalten. Santé.

Conrad Menzel
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